Der Hip-Hop-Star Gzuz ist ein Mitglied der berüchtigten 187 Strassenbande. Sein neues Album beweist: Der Spaß beim Gangsta-Rap hört jetzt auf.

Eine schöne Woche im Mai. Die Rhododendren blühen, in der Kunsthalle zeigen sie Landschaftsmalerei, in der Elbphilharmonie spielen sie Verdi. Warum, könnte man als Leser dieser Zeitung fragen, muss man so einen Typen aufs Titelblatt heben? Gibt es denn kein anderes, dem Interesse liberaler Kulturbürger besser entsprechendes Thema als diesen Mann, Klarname Kristoffer Jonas Klauß, Künstlername Gzuz, 29 Jahre alt, ein Rapper des extrem erfolgreichen, notorisch auffälligen und tatsächlich gesetzesbrecherischen Hip-Hop-Kollektivs 187 Strassenbande?

Wird das jetzt eine feuilletonistisch betriebene Feier des Vulgären, wie man sie selbst bei Popkritikern der Premiumpresse immer wieder erleben muss? Wird einem zum x-ten Mal erklärt, warum noch die größten Sauereien, die der sogenannte Gangsta-Rap – und ja, dieser Gzuz und seine 187-Kollegen machen Gangstermusik – textlich und bildlich unter die Leute, vorzugsweise die Jugend bringt, warum diese depravierte Spielart der Kulturindustrie dann doch irgendwie Kunst sei, womöglich eine neue, wilde Art der Lyrik?

Vergessen Sie’s. Muten wir Ihnen nicht zu, diesen intellektuellen Spagat, mit dem sich viele Kritiker, auch der Autor dieses Artikels, Gangsta-Rap lange zurechtbogen als Stilübung, mit der sich prekarisierte Subjekte in den öffentlichen Diskurs einschreiben.

An dieser Stelle ganz unmissverständlich: Das in dieser Woche erscheinende Album von Gzuz, dem markantesten Star der 187 Strassenbande, ist exzellent produzierter, sehr eingängiger Hip-Hop. Es ist aber vor allem ein Dokument des Nihilismus und der Desintegration.

Nun kann man sagen, das macht Pop, wenn er ernst zu nehmen ist, doch immer: die Alten aufregen, die Mehrheit kränken. Soll ein Rapper wie Gzuz, aufgewachsen auf St. Pauli als Sohn einer alleinerziehenden Mutter, ein, wie es früher hieß, Sozialfall mit Drogenproblemen und krimineller Vergangenheit, soll so jemand nun Germanistikseminare vertonen wie Tocotronic? Natürlich nicht.

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